In dieser Ausgabe des DiFü-Podcasts „D wie Digital“ spricht Redakteurin Maria Beßler mit Elisabeth Gries, Pressereferentin des Software-Anbieters Avast, und Sebastian Scherl, Sicherheitsexperte beim Internet-Dienstleister Cloudflare.

DiFü.de: Es ist Weihnachtszeit, für viele Kinder warten digitale Geräte mit Internetanschluss unterm Tannenbaum. Kinder im Netz – wie muss man sich das vorstellen? Ist das wirklich so ein gefährlicher Raum?

Elisabeth Gries und Sebastian Scherl

Elisabeth Gries, Pressereferentin von Avast, und Sebastian Scherl, Sicherheitsexperte bei Cloudflare

Elisabeth Gries: Kinder können im Internet sowohl Opfer als auch Täter werden. Sie können ganz klassisch von Fremden angesprochen werden und ihre Informationen preisgeben: Wo wohnst du? Wie heißt du? Oder sie kaufen ein vermeintlich kostenloses Spiel. Auf der anderen Seite ist das Internet kein straffreier Raum und Kinder werden ja mit 14 schon zum Teil strafmündig. Das heißt, man muss auch erklären, dass zum Beispiel Mobbing eine Straftat ist, Beleidigung oder auch illegale Downloads.

 

Sebastian Scherl: Man versucht den Kindern zu erklären, welche Bedrohungslagen da sind, etwa bei der Dateneingabe. Es reicht eine gut getarnte E-Mail, die einfach legitim ausschaut. Man klickt auf irgendeinen Link und wird aufgefordert, irgendwelche Daten einzutragen. Oder es werden irgendwelche Dateien heruntergeladen, die dann für Probleme sorgen.

Elisabeth Gries: Ein schönes Beispiel: Mein Kleinster konnte während der Pandemie weder lesen noch schreiben, ergo auch nichts auf YouTube suchen. Man gibt ihm dann das Tablet, macht mit dem anderen Kind Online-Schooling, kommt zurück und plötzlich laufen dort ganz andere Videos als man eingestellt hat. Und dann sag ich, wie hast du das jetzt geschafft? Tja, Siri ist stets bemüht und hilfsbereit und ändert auf Anfrage auch das Fernsehprogramm. Ich glaube, dass es – wie bei vielem – einfach über eine vertrauensvolle Basis mit den Kindern laufen muss. Dass man mit ihnen drüber spricht, so wie wir sie ja auch an den Straßenverkehr gewöhnen.

Sebastian Scherl: Ich finde den Weg gut: mit den Kindern reden, sie sensibilisieren. Aber es gibt Bedrohungslagen, die sich so dynamisch ändern, das ließe sich kaum vermitteln. Manche davon lassen sich zum Glück einfach abschalten. Das schützt die Erwachsenen gleich mit.

Elisabeth Gries: Ja, da bin ich bei Sebastian. Man muss die technischen Möglichkeiten nutzen, die einem der Markt bietet. Dann landet vieles gar nicht erst in der Mailbox, am Router, im Netzwerk. Der gesunde Menschenverstand, den man den Kindern einfach antrainieren muss, plus die verfügbaren technischen Möglichkeiten – damit ist man schon relativ gut geschützt und die Kinder können die digitale Welt genießen.

DiFü.de: Die Sensibilisierung auf der einen Seite, die Technik auf der anderen. Wenn es um die technische Seite geht: Habt ihr konkrete Tipps, die unsere Hörer:innen direkt umsetzen können?

DNS (Domain Name Service)

In der Informationstechnik steht „DNS“ für „Domain Name System“. Das DNS vermittelt im Internet zwischen einer Domain (zum Beispiel difü.de) und einer Netzwerkadresse (zum Beispiel 192.168.0.1). Es funktioniert also ähnlich wie eine Telefonauskunft: Der Name wird eingegeben, eine Ziffernfolge wird ausgegeben. Bei Routern, Mobiltelefonen und aktuellen Spielkonsolen ist das DNS konfigurierbar.

Sebastian Scherl: Wir haben einen sogenannten offenen DNS-Resolver ins Leben gerufen, mit einer IP-Adresse, die man sich auch ganz leicht merken kann: 1.1.1.1. Diese IP-Adresse agiert quasi als Schutzschild vor Internetbedrohungen, ohne dass irgendwo Daten abgezweigt werden. Die Lösung für Familien lautet 1.1.1.3. Wenn ich diese IP-Adresse eintrage in meinem DNS, dann kann ich meine Kinder davor schützen, dass sie auf Webseiten gelangen, die Schadsoftware vertreiben oder einfach nicht für ihre Altersklasse zur Verfügung stehen sollten. Das ist ein relativ einfacher Trick ohne Kosten.

Elisabeth Gries: Wir empfehlen das, was Sebastian ausgeführt hat, tatsächlich. Auch der Router ist im Heimnetzwerk ein beliebtes Einfallstor – sämtliche Geräte, die man als Familie hat, laufen über dieses Teil. Wir haben mal eine Umfrage gemacht: Die meisten wissen gar nicht, dass sie das Passwort ihres Routers ändern können. Als Ergänzung bieten wir Schutzpakete für die Endgeräte an, es gibt spezielle Familienlösungen – übrigens auch von Mitbewerbern. Je nach Anbieter kann man bis zu 30 Geräte schützen. Das umfasst etwa die Sicherheit des WLAN, wenn die Kinder oder Jugendlichen unterwegs sind, oder man wird vor fragwürdigen App-Downloads gewarnt. Man bekommt auch eine Nachricht, wenn das Passwort kompromittiert ist.

Sebastian Scherl: Da wäre auch mein Appell, dass man das generell ernst nimmt. Natürlich: Alles, was in Richtung Administration geht, ist Aufwand. Der Techniker bringt den Router, schaltet den ein, alle freuen sich, dass das Internet da ist. Mir wäre es auch lieber, dann einen Film anzuschauen oder ein Buch zu lesen. Aber man muss sich diese zehn Minuten einfach hinsetzen.

Back-up

Ein Back-up ist eine Datensicherung, z. B. von Fotos, Videos und anderen Dateien. Die Dateien können zum Beispiel von einer Festplatte auf einen USB-Stick kopiert werden. Wer regelmäßig Back-ups erstellt, behält auch dann seine Daten, wenn das Gerät unbrauchbar wird.

Elisabeth Gries: Da schließe ich mich an mit einem guten Vorsatz fürs neue Jahr: Back-ups. Ob die Kinder jetzt das Heimnetzwerk geschrottet haben oder man Opfer von Ransomware, sprich erpresserischen Betrug, geworden ist: Wenn man kein Back-up hat, muss man alles neu aufsetzen. Dann sind die Daten für immer weg. Für mich persönlich wäre es schwieriger, wenn mein Handy gestohlen würde mit den ganzen Fotos, als wenn mein Geldbeutel weg ist. So etwas kann einem auch kein Virenschutz abnehmen, fürs Back-up muss man einfach selber sorgen.

DiFü.de: Also etwas Zeit investieren, sich einlesen, Daten sichern, und dann ist man schon einigermaßen auf der sicheren Seite?

Elisabeth Gries: Wie Sebastian sagt: Jeder will immer sofort loslegen. Und so ist es eben mit den Kindern auch: In dem Moment, wo man sich entscheidet, dass sie ein internetfähiges Gerät bekommen, zum Beispiel eine Playstation, da zieht Freude ein. Aber gleichzeitig holt man sich auch Gefahren ins Haus. Und wenn man sich nur ein bisschen vorbereitet und eine kindgerechte Spielwiese konfiguriert, schafft man es unserer Erfahrung nach, dass die Freude am Gerät überwiegt.

Sebastian Scherl: Und das Schöne ist ja: Man setzt es nicht nur für die Kinder auf, es profitieren alle davon. Heutzutage muss man bei vielen neuen Geräten ohnehin erst mal Updates herunterladen und eine halbe Stunde warten. In dieser halben Stunde kann man sich auch um die Online-Sicherheit kümmern, ein Passwort ändern, den DNS-Resolver eintragen und so weiter.

DiFü.de: Wir waren gerade schon bei der Playstation. Habt ihr Empfehlungen für digitale Geräte, die sich für Kinder eignen?

Sebastian Scherl: Vielleicht kann man mit einem mit einem E-Reader weniger falsch machen, aber ich glaube, jeder muss für sich entscheiden: Welches Gerät macht Sinn? Vielleicht ist ja der Sohn oder die Tochter schon auf dem Weg in Richtung Oberstufe, dann macht ein Smartphone vielleicht mehr Sinn als irgendein internetfähiges Gerät, das wieder nur einem einzigen Zweck dient. Aber wichtig ist einfach, diese Geräte sicher zu machen – egal, was man holt.

Elisabeth Gries: Man tut sich keinen Gefallen, wenn die Kinder nur eine Smartwatch bekommen, für die man dann trotzdem eine Simcard braucht. Mein Sohn hat im Februar Geburtstag und bekommt von uns ein ausrangiertes Smartphone, das natürlich – da wird er sich auch nicht freuen – entsprechend reglementiert wird. Aber wir schauen dann von Jahr zu Jahr: Wenn wir das Gefühl haben, er kommt gut damit klar, kriegt er mehr Freiheiten dazu. Das Vertrauen muss man sich einfach erarbeiten. Aber wie Sebastian sagt, da hat man dann mehr Optionen, als jetzt irgendwas zu kaufen, was vermeintlich internetfähig daherkommt, aber dann ganz schnell die Erwartungshaltung nicht erfüllt oder keinen Spaß macht. Beliebt sind natürlich immer noch Spielkonsolen.

DiFü.de: Hauptsache die Sicherheitsaspekte werden werden beachtet?

Sebastian Scherl: Die großen Hersteller haben alle ein ähnliches Niveau in Bezug auf Sicherheit und Konfigurierbarkeit. Andererseits: Man muss auch die Kirche im Dorf lassen. Ich weiß nicht, wo dieser Trend hergekommen ist, dass wir zu Weihnachten so teure Geräte verschenken. Ein iPhone 14 kostet weit über 1.000 €. Und da reicht es auch, ein Gerät vielleicht der Generation vor drei Jahren zu kaufen – die technologischen Sprünge sind verhältnismäßig gering. Und man darf auch nicht vergessen, die Kinder haben das am Boden und dann springt das Display und Sonstiges.

Elisabeth Gries: Bei uns gibt es auch ein gebrauchtes und ich glaube, da kann man getrost bei eBay Kleinanzeigen gucken. Die Kinder sollen das Gerät ja auch mitnehmen zum Spielen. Es gibt nur ein absolutes Muss: Das Betriebssystem muss noch unterstützt werden, sodass die Updates gemacht werden können.

DiFü.de: Vielen Dank für die Tipps!